Die goldene Regel:
"Liebe deinen Nächsten. 
Er ist wie du!"

Liebe Schülerinnen und Schüler!

Gerade in diesen Tagen der Corona-Pandemie sind wir auf die Rücksichtnahme und Achtsamkeit der anderen Menschen angewiesen und aufgerufen, diese Haltungen selbst in alle Gemeinschaften, in die wir hineingestellt sind (Familie, Freunde, Arbeitsplatz, Klasse, …), einzubringen.
Ein Anlass den Begriff „Solidarität“ ein wenig zu reflektieren.

Im Lexikon lesen wir zum Begriff „Solidarität“: Solidarität ist die Fähigkeit (Kompetenz, Tugend) eines Menschen, sich für das Gemeinwohl und darin für eine gerechte Verteilung der Lebenschancen stark zu machen. Diese Fähigkeit kann auch als Einsatz für den Zusammenhalt einer einzelnen Gruppe, Nation oder der ganzen Menschheitsfamilie beschrieben werden.

Papst Johannes Paul II. (gestorben 2005) definiert Solidarität wie folgt: „ Solidarität ist nun aber nicht einfaches und unbestimmtes Empfinden von Mitleid oder flüchtiges Mitgefühl, das man dem Leiden so vieler Menschen, benachbarter oder weit entfernter, entgegenbringt, sondern sie ist im Gegenteil der feste Wille, für das Gemeinwohl zu sorgen, das heißt, für das Wohl eines jeden und aller, weil wir alle wahrhaft in uns aufnehmen.“

Die Religionen der Welt sehen als Fundament der Solidarität die sogenannte „goldene Regel“ – golden deswegen genannt, weil wir sie in allen religiösen und kulturellen Lebensregeln und -entwürfen als Basis des Miteinanders finden!
Jede Religion kennt eine Version dieser Regel: „Liebe deinen Nächsten. Er ist wie du!“

  • Judentum: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinen Nächsten nicht!“ (Rabbi Hillel, Talmud, Traktat Sabbat 31a)

  • Christentum: „Alles, was Ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Matthäusevangelium 7,12)

  • Islam: „Niemand von Euch ist ein Gläubiger, wenn er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst begehrt!“ (Mohammed, wie im Hadith überliefert)

  • Hinduismus: „Dies ist die Summe aller Pflicht: Tue anderen nichts, das dir Schmerz verursacht, würde es dir getan.“ (Mahabharata 5,1517)

  • Buddhismus: Verletze nicht andere auf Wegen, die dir selbst verletzend erscheinen!“ (Udana-Varga 5,18)

Fragen für das persönliche Nachdenken:

Stell dir vor, du würdest ab sofort nur so denken und handeln. Wie würde sich dein Leben verändern? Wo gelingt es dir diese goldene Regel einzuhalten? Wo nicht? Warum (nicht)?

Stell dir vor, alle Menschen würden nach dieser Regel leben. Was würde dann passieren? Wie würde sich die Welt verändern?

Diese Zeit der Corona-Pandemie – eine herausfordernde Zeit, aber auch eine Zeit, in der die gelebte goldene Regel in unseren Blick rückt!